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Im bunten Wohnzimmer der Quarcoos
schallen exotische Wörter durch den
Raum, es wird viel gelacht und die drei
Kinder hüpfen auf Matten aus Reisstroh.
Mutter Munkhjargal (Kurzform „Moogie“)
wurde vor 37 Jahren in der Mongolei
geboren. Die Lehrerin lebt mit dem Programmierer
Philip Nii Ayi Barbu (4O) seit
neun Jahren in München. Er ist Deutsch-
Afrikaner. So wie die beiden Eltern von
Sarangerel („Saraa“, 7), Temuulen (5)
und Narangerel („Naraa“, 4) hat jeder
vierte Münchner seine Wurzeln außerhalb
Deutschlands. Mehr als in allen anderen
deutschen Städten. Aber wie ist es, wenn
drei Kulturen von drei Kontinenten in
einem Haushalt zusammenwachsen?


WOHER KOMMEN SIE?
PHILIP: Mein Vater kommt aus Afrika, aus
Ghana. Meine Mutter ist Deutsche. Ich bin
in Deutschland aufgewachsen.
MOOGIE: Meine Eltern kommen aus der
Mongolei. Dort bin ich auch aufgewachsen.

WO UND WIE HABEN SIE SICH DENN DANN
KENNENGELERNT?

PHILIP: In China. Moogie hat dort studiert
und ich war auf der Durchreise nach Japan.
Ich habe in Peking eine Freundin im Wohnheim
besucht, die auf dem selben Gang
wohnte wie Moogie.

WIE KAM ES, DASS SIE NACH DEUTSCHLAND
GEZOGEN SIND?

PHILIP: Zuerst haben wir in den USA gelebt.
Als Moogie ihr Studium abgeschlossen
hatte, hat sie ein Jobangebot aus
Deutschland bekommen. Und da ich auch
gerne wieder in Deutschland leben wollte,
sind wir dann nach München gezogen.

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WIE HABEN SIE DEUTSCH GELERNT?
MOOGIE: Als ich mit Temuulen schwanger
war, habe ich Deutschkurse besucht. Denn
erst dann hatten wir entschieden, dass wir
länger in Deutschland bleiben. Heute besuche
ich auch noch Deutschkurse.

SPRECHEN SIE AUCH GA, DIE GHANAISCHE
STAMMESSPRACHE IHRES VATERS?

PHILIP: Nur als eine weitere Fremdsprache.
Ich habe sie leider nicht von meinem Vater
gelernt. Und habe heute auch sehr selten
Gelegenheit sie zu sprechen.

ALSO WACHST IHR ZWEISPRACHIG AUF?
SARAA: Nein, wir wachsen dreisprachig auf!
Der Papa spricht mir uns deutsch und die
Mama mongolisch. Wenn die beiden miteinander
sprechen, reden sie englisch.

HABT IHR EINE LIEBLINGSSPRACHE?
SARAA: Mongolisch.
TEMUULEN: Englisch.
NARAA: Deutsch.

GEHT IHR IN EINEN DEUTSCHEN KINDERGARTEN
UND IN EINE DEUTSCHE SCHULE?

SARAA: Ja. Ich gehe auf eine deutsche
Grundschule in die 2. Klasse.
TEMUULEN: Ich gehe mit Naraa in einen
englisch-deutschen Kindergarten.
SARAA: Am Samstag gehen wir außerdem
noch in eine mongolische Schule.

WAS WIRD DORT GELERNT?
MOOGIE: Ich unterrichte dort regelmäßig
18 Kinder zwischen drei und 12 Jahren. Sie
lernen die mongolische Sprache und über
Kultur und Tradition der Mongolei.

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ZEIGEN SICH DIE LEBENSWEISEN IHRER
VIELEN KULTUREN AUCH IM ALLTÄGLICHEN
LEBEN?

PHILIP: Wir schlafen auf den Tatamis im
Wohnzimmer auf Futon-Matratzen. In der
Mongolei schläft man gerne auf dem Boden.
Der Wohnraum ist dort sehr begrenzt.
In den Jurte, den großen Rundzelten der
Mongolen, gibt es nur einen Raum in dem
man auch schläft.

HABT IHR HOBBYS, DIE AUS GHANA ODER
DER MONGOLEI STAMMEN?

SARAA: Wir selber nicht. Aber unser Papa
spielt die Pferdekopfgeige. Die kommt aus
der Mongolei.
TEMUULEN: Aber wir kennen mongolische
Lieder.
Alle drei fangen an zu singen.

WAS GIBT ES BEI EUCH ZU ESSEN?
PHILIP: Ich mache manchmal Flammkuchen,
der aus Freiburg kommt, wo ich geboren
wurde. Ich sage dann, das ist aus meiner
Heimat. Insgesamt kochen wir sehr gerne
asiatisch, vor allem japanisch.
MOOGIE: Richtig deutsche Sachen wie
Schweinshaxe kochen wir nicht. Früher
waren wir beide Vegetarier, heute esse ich
wieder Fleisch.

WO FAHRT IHR AM LIEBSTEN IM URLAUB HIN?
SARAA: In Vietnam war es sehr schön. Da
würden wir gerne wieder hin.
MOOGIE: Wir versuchen in einem Jahr eine
größere Reise zu machen und im nächsten
dann eine kleinere. Es ist uns wichtig, viel
von der Welt zu sehen. In den Herbstferien
waren wir in London, weil die Kinder so
gerne englisch sprechen.

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FAHRT IHR AUCH IN DIE MONGOLEI UND NACH GHANA?
MOOGIE: Nachdem die Kinder geboren wurden,
waren wir immer in der Mongolei. Wir
haben dort auch mal für ein Jahr gelebt. In
Ghana waren wir erst einmal, als Saraa klein
war. Wir wollen unbedingt wieder hin, wenn
die Kinder etwas größer sind. Momentan ist
es uns aber zu gefährlich wegen der Malaria,
einer schlimmen Krankheit, die von Stechmücken
übertragen wird.

UND WAS WOLLT IHR WERDEN, WENN IHR
ERWACHSEN SEID?

SARAA: Ich will Malerin werden.
TEMUULEN: Ich möchte Steinforscher werden.
NARAA: Ich will auch Forscher werden!


Text: ISI, SABRINA, REBECCA SCHREIBER

Foto: JULIA ROTTER

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